• Kunststoffe aus Baumstümpfen

Was ist ein Baumstumpf aus der Sicht eines Polymer-Wissenschaftlers? Ein Schatz!

Von Guerino Sacripante, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Xerox

Baumstümpfe enthalten Stoffe wie Lignin und Rosin. Und damit auch die chemischen Grundbausteine für die Herstellung umweltverträglicher Kunststoffe.

Für die meisten Menschen sind Baumstümpfe eher uninteressant oder ein Symbol für die Bedrohung unserer Umwelt. Aber für einen Wissenschaftler wie mich enthalten diese Überreste eines Waldes das Versprechen auf eine viel umweltfreundlichere Welt.

Baumstümpfe enthalten Stoffe wie Lignin und Rosin. Aus meiner Sicht sind das echte Schätze. Werden diese Stoffe aufgespalten, bieten sie uns die chemischen Grundbausteine, die wir für die Herstellung von handelsüblichen und gleichzeitig umweltverträglichen Kunststoffen benötigen.

Petrochemikalien sind der übliche Rohstoff für die Polymere, die für die Herstellung der meisten Kunststoffprodukte weltweit verwendet werden. Da Öl in großem Maße zur Kohlendioxidemission beiträgt, ist es sinnvoll, stattdessen Materialien mit ähnlichen Eigenschaften zu nutzen, die aber aus nachwachsenden Rohstoffen stammen — wie z. B. Bäume.

„Es ist einfach sinnvoll, Kunststoffe aus Materialien herzustellen, die aus nachwachsenden Rohstoffen stammen — wie z. B. Bäume.“ — Guerino Sacripante

Lebenszyklen und Innovation

Wenn man Alternativen zu petrochemischen Produkten herstellt, sollte man den Produktlebenszyklus nie außer Acht lassen. So kann z. B. für die Herstellung von Bio-Kraftstoffen aus landwirtschaftlichen Erzeugnissen mehr Energie benötigt werden, als mit dem Kraftstoff selbst erzeugt werden kann. Die zweite Herausforderung sind die Kosten. Um Lösungen für diese Probleme zu finden, ist viel Innovation gefragt.

Das Kunststoffrecycling ist auch ein interessantes Thema. Es gibt Unternehmen, die Kunststoffabfälle sammeln und sie wieder in ihre chemischen Grundbausteine aufspalten. Im Rahmen meiner Forschung beschäftige ich mich unter anderem mit Untersuchungen, wie wir diese Grundbausteine als Komponenten von Tonerharzen für Drucker verwenden können.

Guerino Sacripante ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Xerox Research Centre Canada in Mississauga, Ontario. Er referierte auf der Konferenz der American Chemical Society in Dallas und stellte seine Forschung im Mai 2014 beim Symposium des Institute for Polymer Research an der Universität Waterloo vor. Guerino Sacripante hält 195 US-amerikanische Patente.