Agents of Change

Santokh Badesha: Innovationen mit Sinn und Zweck

“zählt möglicherweise zu den insgesamt 10 besten Beiträgen eines einzelnen technischen Mitarbeiters im Laufe dessen Karriere bei Xerox”

Innovationen mit Sinn und Zweck

Santokh Badesha ist Manager des Bereichs „Open Innovation“ bei Xerox. 2018 erreichte Santokh einen wichtigen Meilenstein in seiner ohnehin beeindruckenden Karriere: sein 250. Patent. Wie er dorthin kam, ist eine inspirierende Geschichte, bei der es um die Lösung von Problemen und die hohe Bedeutung von Risikobereitschaft geht.

Wenn Notwendigkeit die Mutter der Erfindung ist, dann ist Santokh Badesha ihr Vater. Die meisten Menschen würden sich bereits mit einem oder zwei Patenten für einen fähigen Erfinder halten. Mit 15 Patenten würde man ohne Weiteres als erfolgreich gelten. Santokh hat 250 – und 50 weitere bereits angemeldet. Charlie Duke, der frühere Vice President des Xerox Research Center in Webster (New York, USA), sagte, das, was Santokh für Xerox geleistet hat, „zählt möglicherweise zu den insgesamt zehn besten Beiträgen eines einzelnen technischen Mitarbeiters im Laufe dessen Karriere bei Xerox“.

Dieses Zitat bringt die Arbeit von Santokh als Erfinder auf den Punkt. Er ist davon überzeugt, dass Innovation kein leeres oder egoistisches Streben sein sollte. Vielmehr setzt er sich dafür ein, Ideen für einen größeren Zweck zu nutzen und gemeinsam an der Lösung von Problemen zu arbeiten, um die Welt voranzubringen. Wir möchten Ihnen Santokh Badesha, den Mann hinter den Innovationen, vorstellen.

 

Wann haben Sie Ihre Leidenschaft für die Wissenschaften zum ersten Mal bemerkt?

Ich wuchs in Indien auf dem Land auf und da war die oberste Priorität, eine ordentliche schulische Ausbildung zu erhalten. In dieser Umgebung galt es als sehr prestigeträchtig, ein Wissenschaftler oder Professor an einer Universität zu sein. Und genau das wollte ich werden. Zu meinem Glück habe ich mich in diesem Bereich hervorgetan. Mein Lieblingsfach war zwar Physik, doch meine Schulnoten lenkten mich mehr in Richtung eines Chemieabschlusses. Nach meinem zweiten PhD und einer kurzen Post-Doktoranden-Stelle in Großbritannien wechselte ich zur chemischen Fakultät am Rensselaer Polytechnic Institute in Troy (New York, USA).

 

Wie begann Ihre Karriere als Forscher bei Xerox?

Am Rensselaer-Institut arbeitete ich an Forschungen, die vom National Institute of Health (NIH) gefördert wurden und mit der Synthese von antiviralen/antitumorischen Agenten zur pharmakologischen Bewertung zu tun hatten. Daneben unterrichtete ich die Erstsemester in Chemie.

In diesem akademischen Umfeld wurde ich ermutigt, Veröffentlichungen herauszugeben und Vorträge über meine Arbeit zu halten. Das habe ich getan, als zwei Manager von Xerox – Dr. Tom Smith und Dr. Dave Williams – auf einer Konferenz der American Chemistry Society auf mich zukamen und mich baten, einen Vortrag im Xerox Research Center in Webster, NY zu halten.

Die Xerox Research Center am PARC und in Webster waren schon damals renommiert. Nach meinem Vortrag führten sie mich durch das Zentrum und erzählten mir von ihren Forschungsgebieten und welche Freiheiten ihre Forscher bei ihrer Arbeit genossen. Dann fragten Sie mich: „Würden Sie gerne hier arbeiten?“

Das war vor 38 Jahren und ich habe meine Entscheidung Ja zu sagen, nie bereut.

 

Ist Xerox ein gutes Umfeld für Innovationen?

Xerox gab mir ein Umfeld, in dem ich innovativ sein konnte und dorthin gelangte, wo ich heute bin. Ich bin umgeben von innovativen Köpfen, die sich gegenseitig motivieren und herausfordern, über Dinge so nachzudenken, wie wir es bisher vielleicht nicht getan haben. Die Kultur treibt einen voran, führt einen zu wertvollen Beiträgen und belohnt intelligentes Denken und Handeln. Und es ist ein tolles Gefühl, wenn man weiß, dass die Kunden einen Mehrwert in unseren Produkten sehen, der wiederum aus meiner Arbeit resultiert.

 

Wie kommen Sie auf neue Ideen? Was ist Ihre Methode?

Man kann nicht kreativ sein, wenn man nicht neugierig ist. Aber im industriellen Umfeld muss man mehr als neugierig sein. In der freien Wirtschaft entwickelt sich Innovation meistens inkrementell. Man muss also nicht nur neugierig sein, sondern auch eine gewisse Vorstellungskraft haben, um den gesamten Lösungsweg vor sich zu sehen und dann zu entscheiden, was zur Lösung des Problems nötig ist. Ich glaube nicht an Heureka-Momente. Ich lehre und predige, dass man versuchen sollte, um die wissenschaftlichen Prinzipien herum zu erfinden.

Dafür entscheidend ist die Zusammenarbeit mit anderen bei der Ausarbeitung von Ideen. Um Ideen vom Reagenzglas bis in die Hände der Kunden zu bringen, braucht man ein ganzes Dorf. Da darf man kein Einzelkämpfer sein. Ich habe festgestellt, dass, wenn Menschen in Teams zusammenarbeiten und gezwungen sind, Lösungen zu finden, viel Wert geschaffen wird. Wenn sich das Team aus den richtigen Personen zusammensetzt, erhält man genau die richtige Menge an neuen Perspektiven, um intelligente Ideen zu inspirieren. Und das Umfeld bei Xerox ist perfekt für „Open Innovation“.

 

Erzählen Sie uns noch ein wenig mehr über „Open Innovation“.

Der Begriff „Open Innovation“ wurde von Hennery Chesbrough von der University of California in Berkley geprägt. Die Grundannahme dabei ist, sowohl interne als auch externe Ressourcen als Prozess zu nutzen – nicht nur, um den aktuellen Markt zu bedienen, sondern auch neue Märkte.

Xerox weiß, wie wichtig es ist, die globale Gemeinschaft zu erreichen, um aktuelle Probleme zu lösen, strategische technologische Lösungen für die gesamte Plattform zu entwickeln und ein grundlegendes Verständnis für zukünftige Geschäftsmöglichkeiten zu entwickeln. 

Ich bin fest davon überzeugt, dass die wahren Chancen in der Verbindung von akademischer und industrieller Forschung für Innovationen liegen, und ich habe in einer Reihe von Foren und Diskussionsrunden über die Möglichkeiten gesprochen. Im akademischen Bereich gibt es viel Wissen, das nicht wirklich genutzt wird und das in Investitionsmöglichkeiten zur wirtschaftlichen Nutzung umgewandelt werden könnte.

 

Was war Ihr erstes Patent?

Ungefähr ein Jahr nachdem ich zu Xerox kam, nutzte ich meinen chemischen Hintergrund, um einige sehr kugelförmige Selenpartikel herzustellen, die schön in einer Polymermatrix dispergiert waren, und ich hatte einige schöne Mikroaufnahmen davon. Ich zeigte sie meinem Kollegen (Dr.  John Pochan) und der sagte: „Sehr interessant. Hast du einen Erfindungsantrag dafür eingereicht?“ Ich hatte noch nie zuvor von einem Erfindungsantrag gehört und war sehr aufgeregt.

Das Ganze erwies sich als eine richtig bahnbrechende Erfindung, eine neue Methode zur Herstellung von Photorezeptoren, die Rückgewinnung von Selen-Tellur-Arsen aus Abfällen und schließlich ein neues Verfahren zur Herstellung von Legierungen. Vor dieser Erfindung wurden Selen- und Tellurmetalle durch physikalische Schmelzverfahren zu Legierungen verarbeitet und dann unter Vakuum verdampft, um die lichtempfindliche Schicht von Photorezeptoren für Fotokopierer herzustellen. In meinem Co-Reduktionsprozess koexprimieren Selen und Tellur, um eine Legierung herzustellen. Das Ergebnis war ein möglicher Weg, um bilderzeugende Elemente kostengünstiger und besser zu machen. Die Herstellung von Legierungen durch Co-Reduktion statt durch gemeinsames Erwärmen von Metallen war ein neues wissenschaftliches Phänomen, und die Entdeckung führte zu etwa 30 weiteren Patenten und einer Reihe von wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Vorträgen.

 

Könnten Sie ein bisschen was von Ihrer jüngsten Innovation erzählen – Ihrem 250. Patent?

Dieses neueste Patent ist für einen B-Epoxid-Filmklebstoff, mit dem sich zwei oder mehr Druckkopfteile verbinden lassen. Es ist chemisch beständig gegen aggressive Druckfarben und hält auch unter Hochtemperatur- und Hochdruckbedingungen die Haftung aufrecht. Es wird uns ermöglichen, einen leistungsfähigeren, hochdichten Inkjet-Druckkopf zu niedrigeren Kosten herzustellen.

 

Ist das die Erfindung, auf die Sie am meisten stolz sind? Und wenn nicht, was wäre eine solche Erfindung?

Eine der lohnenswertesten Erfindungen, an denen ich gearbeitet habe, hat mit unserem Markierungsprozess zu tun, bei dem Bilder verschmolzen und auf Papier fixiert werden.

Damals hatte die Entwicklung vom Schwarzweiß- zum Farbdruck und die Erhöhung der Druckgeschwindigkeiten einen erheblichen Einfluss auf die Fixierwalzen. Beim Einsatz von Temperaturen stiegen der Energieverbrauch und die Kosten für die Fixierwalze, während gleichzeitig die Lebensdauer der Fixierwalze abnahm. Die Oberflächen von Fixierwalzen hatten in der Regel eine Lebensdauer im Bereich von einigen hunderttausend Zyklen. Wir mussten eine neue Beschichtung für die Oberfläche der Walzen entwickeln, um ihre Funktionalität und Lebensdauer zu verlängern.

Damals wurden in der gesamten elektrofotografischen Markierungsindustrie Fluorelastomere bzw. Elastomere auf Silikonbasis genutzt. Wenn diese für sich alleine verwendet wurden, gab es dabei Leistungseinbußen. Wir brauchten ein Verbundmaterial, das die Eigenschaften von beiden kombinieren und hoffentlich zu einer längeren Lebensdauer führen würde.

Es mag naiv klingen, aber ich habe das Entwicklungsteam gefragt: „Warum könnt ihr diese Materialien nicht einfach miteinander verbinden? Warum könnt ihr sie nicht chemisch verbinden, damit sie zusammenbleiben und nicht getrennt werden?“ Dann konnte ich einen Prozess entwickeln, der genau das tat. Das Ergebnis waren eine neue Klasse von Hochleistungswerkstoffen, einfachere Rollendesigns und langlebigere Fixierkomponenten – mit einer Lebensdauer von weit über zehn Millionen Zyklen – sowie noch einmal über 20 weitere Patente und der Xerox President’s Award. Diese Arbeit wurde auch von der Materials Research Society aufgegriffen, die in ihren Intersections News davon berichtete.

 

Wie geht nun weiter?

Die 250 Patente waren mein persönliches, aber realistisches Ziel. Mein nächstes Ziel ist nun, die 300 zu erreichen. Aber noch viel wichtiger ist der Mehrwert für Xerox und die Anerkennung meiner Arbeit im akademischen Bereich. Unser Unternehmen möchte forschen, Lösungen für heute und morgen bereitstellen und lernen, wie wir auf wachsende Kundenbedürfnisse eingehen können. Und ich habe vor, dabei eine Schlüsselfigur zu sein.

 

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Wir alle haben die Welt verändert. Jeder einzelne von uns. Mit jedem Atemzug zieht unsere Existenz endlose Kreise.

Aber nur wenige von uns haben die Möglichkeit, das Leben von vielen zum Besseren zu verändern. Und noch weniger werden jeden Tag dazu herausgefordert, dies zu tun. Von dieser Herausforderung werden die Wissenschaftler bei Xerox tagtäglich angetrieben – zu versuchen, Veränderungen herbeizuführen.

Und wir geben ihnen die Zeit und den Freiraum, um zu träumen. Und die Ressourcen, um diese Träume Wirklichkeit werden zu lassen – unabhängig davon, ob sie neue Materialien mit unglaublichen Funktionen entwickeln oder Augmented Reality nutzen, um das Erinnerungsvermögen von Alzheimer-Patienten zu stärken.

Xerox ist stolz auf seine „Agents of Change“ in seinen weltweiten Forschungszentren. Hier sind einige ihrer Geschichten.

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