• Bis gestern war Ihr Arbeitsplatz im Bereich Forschung & Entwicklung. Jetzt arbeiten Sie von zu Hause. Bloß wie soll das gehen?

Bis gestern war Ihr Arbeitsplatz im Bereich Forschung & Entwicklung. Jetzt arbeiten Sie von zu Hause. Bloß wie soll das gehen?

Für Büroangestellte bedeutet Homeoffice meist keine besonders große Umstellung. Wenn Sie Ihre Arbeit hauptsächlich am Rechner erledigt haben, können Sie das gleiche auch von zu Hause aus tun.

Was aber, wenn Sie in einem Forschungsumfeld arbeiten? Nicht ganz so einfach, aber trotzdem machbar, sagen zwei Experten von Xerox PARC.

Sean Garner, Vice President und Director des Hardware Systems Laboratory, und Ross Bringans, Vice President und Director des Electronic Materials & Devices Laboratory, sind beide erfahrene Wissenschaftler und Teamleiter. Ihnen zufolge ist die Umstellung auf das Arbeiten von zu Hause für Ingenieure, Physiker und Wissenschaftler, mit denen sie zusammenarbeiten, möglich, allerdings mit einigen Anpassungen.

Weiterhin auf Forschung konzentrieren

Gehen Sie nicht davon aus, dass die Welt zum Stillstand kommt und der Fortschritt stecken bleibt. Auch wenn Ingenieure und Wissenschaftler nicht länger im Labor experimentieren können, haben sie weiterhin Zugriff auf die softwarebasierten Forschungsinhalte ihrer Projekte. Die Dynamik muss sich also nicht zwangsweise verlangsamen.

„Mitarbeiter können und sollten sich weiterhin vorrangig den Projekten zuwenden, an denen sie bisher gearbeitet haben“, rät Bringans. „Ob Datenanalyse, Auswertungen, Planung neuer Studien oder Ausarbeitung von Vorschlägen – das alles sind Aktivitäten, die wir regelmäßig durchführen und die von zu Hause aus erledigt werden können.“

Neue und nützliche Kompetenzen aneignen

Unabhängig von der Branche gibt es immer Fähigkeiten, die für die Arbeit nützlich wären, aber oft in den Hintergrund rutschen. Dies kann also die perfekte Gelegenheit sein, sich diesen immer wieder hinausgeschobenen Aufgaben zu widmen und sich zum Beispiel mit einer neuen Software vertraut zu machen.

„Für Laborwissenschaftler kann die Arbeit mit Modellierungssoftware sehr nützlich sein, die Lernkurve im Zusammenhang mit dieser Art von Programm ist allerdings sehr steil“, so Garner. „Für viele von uns fällt dies unter die Kategorie ‚Ich wollte schon immer...‘. Jetzt ist der optimale Zeitpunkt um sich mit diesen Projekten zu befassen!“

Aktuelle Publikationen lesen und verfassen

Bringans zufolge gibt es eine ganze Reihe an Aufgaben, die Wissenschaftler und Ingenieure für wichtig halten – die aber zugunsten anderer dringender Dinge auf der Strecke bleiben.

„Sich mit der neuesten wissenschaftlichen Literatur vertraut zu machen, ist eine andere Möglichkeit, seine Zeit sinnvoll zu nutzen“, bemerkt er. Wer bezüglich aktueller Veröffentlichungen auf dem neuesten Stand ist, kann neue Entwicklungen im Kontext seiner eigenen Arbeit bewerten. So kann man nachverfolgen, wer Fortschritte macht, Ideen für die Zusammenarbeit erhalten und seine Projekte möglicherweise in eine neue Richtung lenken.

Forscher und Ingenieure in technischen Fachgebieten können diese Zeit zudem nutzen, um ihre Ergebnisse zusammenzufassen und in den relevanten Fachzeitschriften zu publizieren. „In der Industrie herrscht nicht der gleiche Druck zur Veröffentlichung wie in der Wissenschaft, aber es ist trotzdem ein wichtiger Bereich, sofern Sie nicht aus wettbewerblichen Gründen Beschränkungen unterliegen“, erklärt Garner. „Mit einer Publikation bringen Sie sich optimal in die wissenschaftliche Gemeinschaft ein – und können zudem die Bekanntheit Ihrer Forschungsaktivitäten fördern.“

Patentanträge stellen

„Wissenschaftler tendieren dazu, die Beantragung von Patenten auf die lange Bank zu schieben, denn diese nehmen viel Zeit in Anspruch und werden häufig als nebenrangig betrachtet“, so Garner. „Dies ist Ihre Chance, diese Patentanträge endlich nachzuholen.“

Und das aus gutem Grund: Gewerbliche Schutz- und Urheberrechte sind das Herzblut der Industrie. Sie dienen dem Schutz einzigartiger Erfindungen und stellen die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen sicher, da sich diese so vor Verstößen konkurrierender Unternehmen schützen können. Freie Zeit kreativ nutzen

Nutzen Sie Zeiten, in denen Sie nicht viel zu tun haben, um kreativ zu werden.

Die zusätzliche Zeit, so unerwartet sie auch sein mag, kann sich als Geschenk erweisen. Wer bei einem sonst vollgepackten Arbeitsalltag plötzlich Zeit zur Verfügung hat, kann seinen Gedanken freien Lauf lassen und fragen: „Was wäre, wenn?“

„Dies ist die Zeit für Literaturrecherche“, erklärt Garner. „Ich hoffe, dass sich die Leute erfinderisch zeigen und endlich den Ideen nachgehen, die sie eine Weile im Hinterkopf hatten.“

„In diesem Fall könnten wir einige wirklich interessante Ergebnisse sehen.“

Bringans fügt hinzu: „Vielleicht werden am Ende einige bedeutende neue Innovationen daraus hervorgehen.“